Spielend lernen - Warum ist das Spiel für die Entwicklung eines Kindes wichtig?

Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mnesch, wo er spielt. - Friedrich von Schiller

Ich durfte Nando über das Thema „spielend lernen“ interviewen. „"Du willst spielen? Erledige zuerst die Hausaufgaben. Wenn die Zeit dann noch reicht, dann kannst du gerne spielen." Kennst du diese Aussage? Hast du sie vielleicht selber so oder ähnlich gemacht? Der gesellschaftliche Stellenwert des Spielens ist gering – zu Unrecht. Denn Spielen ist zentral für eine gesunde Entwicklung, für die Entfaltung des Potenzials und fürs Lernen.“

Leider ist das Verständnis des Spielens in unserer Gesellschaft ein anderes. Doch wir sind der Meinung, dass wir unser ganzes Leben lang spielen, wenn wir es zulassen. Spielend lernen fördern ist sinnvoll, da die Kreativität und die Fähigkeit komplexe Situationen zu analysieren geübt wird. Diese Kernkompetenzen brauchen wir im Berufsleben, um Entwicklung in Unternehmen oder unserem eigenen Leben voranzutreiben. Was versteht die Gesellschaft unter dem Wort Spiel und was versteht Nando darunter?

Was ist eigentlich ein Spiel?

Volleyball? World of Warcraft? Räuber und Gendarm? Was genau ist überhaupt ein Spiel, was macht ein Spiel aus? Die meisten beliebten Spiele entstanden während der industrialisierten Zeit. Diese war durch Wettbewerb geprägt. Entsprechend hatten auch die meisten Spiele Wettbewerbs-Charakter. Schauen wir uns das vorschulische Spiel der Kinder an, lernen wir eine andere Art des Spielens kennen. Kinder tun, was ihrem Innersten entspringt. Sie hüpfen, sie bauen, sie entdecken. Immer tun sie etwas, was sie herausfordert. Und immer tun sie das einfach aus Freude.

Damit haben wir alle Komponenten zusammen: Ein Spiel ist eine selbstbestimmte Herausforderung, deren Ziel in der Herausforderung selbst liegt. Diese Sicht auf das Spiel ist wichtig um zu verstehen, wie zentral Spielen ist.

Das bedeutet, dass der Prozess oder Weg des Spiels im Zentrum steht und nicht das Ergebnis des Spielens. Dein Fokus und der Fokus deines Kindes liegen demnach in der Gegenwart. Dein Kind ist konzentriert auf den Moment und erlebt hier einen Flow, den wir dann als "spielend lernen" bezeichnen können.

Spielen ist Lernen

Auf den Baum klettern. Mit Lego eine Burg bauen. Mit Puppen spielen. Jedes Spiel ist eine Herausforderung, die gerade dem Innersten des Kindes (oder des Erwachsenen) entspringt. Nur das Kind weiß, was es gerade herausfordert. Eine Herausforderung ist eine Tätigkeit, die genau den aktuellen Fähigkeiten entspricht. Sie ist nicht zu einfach, sonst wäre das Kind unterfordert. Sie ist auch nicht zu schwierig, nicht zu überfordernd.

Eine Tätigkeit, die genau zu den aktuellen Fähigkeiten passt, ist der optimale Nährboden für das Lernen. Wer unter- oder überfordert ist, lernt deutlich weniger. Spielen ist das Mittel der Natur, um sich zu entwickeln, um zu lernen.

Du kannst dein Kind unterstützen, indem du es genauestens beobachtest. Mit welchen Materialien arbeitet er/sie gern? In welcher Lernumgebung kann sich dein Kind sehr gut auf das Spielen einlassen und somit spielend lernen? Auch die passenden Lerngegenstände kannst du herausfinden, wenn du gemeinsam mit deinem Kind ausprobierst. Gleichzeit können schon weitere Materialien sichtbar sein, die sich dann dein Kind zu nutzen macht, wenn es dafür bereit ist.

Spielen ist Potenzial entfalten

Jeder Mensch bringt bestimmte Talente und Interessen mit sowie einen individuellen Entwicklungsplan. Die einen interessieren sich mit vier Jahren für Buchstaben und Zahlen, andere erst mit 10 oder noch später. Jedes Lebewesen möchte sein Potenzial entfalten. Ein Pinguin fühlt sich im Wasser pudelwohl, ein Grizzlybär in bergiger Wildnis. Genauso wie Pinguine und Grizzlybären möchten auch Menschen ihre Talente nutzen. Auch sie möchten in ihrem Element sein. Um das zu erreichen, hat uns die Natur wiederum das richtige Werkzeug mit auf den Weg gegeben: Spielen.

Beim Spielen tun wir das, was unserem Innersten entspringt. Das wiederum deckt sich mit unseren Interessen und unseren Talenten. Es gibt keine bessere Möglichkeit, unser Potenzial zu entfalten als zu spielen. Werden wir vom Spielen abgehalten, kann das dazu führen, dass wir unser Potenzial nicht entfalten können.

Im Gespräch mit Nando wurde deutlich, dass Spielzeuge, die eine Anleitung haben, dass spielen einschränken. Der Weg ist vorgegeben. Dieser wollte jedoch von dem Kind selbst gestaltet werden dürfen. Das Lernspiel ist demnach nicht das nachmachen von Anleitungen, sondern die die kreative und freie Entwicklung des Spielprozesses.

Spielen ist gesund

Dieser Aspekt ist vielschichtig. Stell dir wieder den Pinguin vor, der ausgelassen im Wasser schwimmt. Er fühlt sich pudelwohl, denn er ist in seinem Element. Genauso fühlen sich Kinder pudelwohl, wenn sie in ihrem Element sind. Im Flow. Und das sind sie beim Spielen. Dann deckt sich das, was sie tun möchten, mit dem, was sie tun. Beim Spielen können Kinder aber auch ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln. Sie tun ja das, was sie herausfordert, das was ihren jeweiligen Fähigkeiten entspricht.

Sie werden vielleicht mal scheitern dabei, aber sie probieren es wieder und wieder und irgendwann meistern sie ihre Herausforderung. Sie sind auf den Baum geklettert oder haben mit Holzklötzen einen stabilen Turm bis zur Zimmerdecke gebaut. Jede gemeisterte Herausforderung hinterlässt ein gutes Gefühl von "ich kann das". Wer hingegen unterfordert ist, lässt die Zeit verstreichen, ohne dass sich das befriedigende Gefühl des "ich habe es geschafft" einstellt. Und wenn Kinder sich überfordert fühlen? Da entsteht das Gefühl von "ich bin dem nicht gewachsen" oder gar "ich bin unfähig". Beides schädigt das gesunde Selbstvertrauen.

Den Umgang mit diesem Gefühl kannst du allerdings beobachten und sehen. Wenn du bemerkst, dass dein Kind über- oder unterfordert ist, kannst du die Bedingungen ändern. Gehe raus in die Natur und sei neugierig. So sieht dein Kind, dass auch du neugierig bist. Wenn dein Kind älter ist und nicht mehr "spielen" möchte, kannst du auch hier Angebote schaffen. Unsere Jugendlichen sind zurzeit viel auf Tik Tok unterwegs. Wie funktioniert eine solche App und kann ich so etwas auch selbst programmieren? Scratch ist hier eine Möglichkeit.

Von der Leistungsorientierung des 20. Jahrhunderts zur Spielorientierung des 21.

In der industrialisierten Zeit war das Spiel in die Abstellkammer verbannt. Es galt, Leistungen zu erbringen, die in Lehrplänen oder Jobbeschrieben definiert waren. In der Arbeitswelt standen Routinetätigkeiten im Vordergrund. Egal, ob in der Fabrik, der Verwaltung oder im Verkauf: Immer wurden Prozesse in Einzelteile zerlegt, normiert und dann jeder Einzelprozess einer Person anvertraut, die eine dafür notwendige Ausbildung durchlaufen und ein normiertes Diplom vorweisen konnte.

Das war so ziemlich das Gegenteil vom Spiel.

Genau diese Routinetätigkeiten werden nun mehr und mehr Algorithmen übertragen. Neu erschaffene Arbeitsstellen haben einen ganz anderen Charakter: Sie verlangen vor allem Kreativität, Problemlösefähigkeit und Sozialkompetenz. Diese Kompetenzen lassen sich am besten bilden durch – Spielen.

Im Erwachsenenalter spüren wir dieses Problem. Wir haben Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen und kreative Lösungen zu finden. Am liebsten schauen wir uns auf YouTube eine Anleitung an, wie wir eine leckere Gemüsepfanne zaubern. Im Unternehmen sind 95% der Mitarbeiter keine Freigeister, die innovative Ideen finden und sagen!

Nando  Stoeckling

Nando's Fazit

Kinder, die auf Leistung getrimmt werden, sind heute gegenüber jenen Kindern, die spielerisch aufwachsen können, stark benachteiligt: Sie können ihr Potenzial nicht entfalten. Sie fühlen sich psychisch unwohl. Sie können schlechter ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln. Sie lernen ineffizienter und weniger nachhaltig. Und sie sind nicht auf ihre Zukunft vorbereitet. Doch dies ist nur die halbe Geschichte. Hier habe ich nicht weniger als 10 Punkte gelistet, weshalb Spielen enorm wichtig ist.

 

Außer der Tradition gibt es keinen Grund mehr, Kinder auf Leistung zu trimmen und sie so vom Spiel und somit von sich selbst wegzuführen. Den ersten Schritt dahin können wir gemeinsam gehen. Wenn wir Kindern spielend lernen ermöglichen, werden sie das Spiel an die nächsten Generationen übergeben. Wie könnt ihr nun dieses Spiel zu Hause umsetzten?

 

Wichtig ist, dass ihr den Fokus auf den Prozess legt und nicht auf das Ergebnis. Zum anderen erschaffst du Lernumgebungen, die zum freien spielen anregen. Gleichzeitig solltet ihr euch dafür Zeit nehmen. Denn oft ist es so, dann Kinder (und auch wir Erwachsenen) eine Zeit lang brauchen, bis wir eine Idee haben und sie umsetzten wollen. Die altbekannte Langeweile geht dem voraus und sollte nicht mit Anregungen befriedigt werden. Aushalten, warten und staunen!

 

Wenn du von Nando mehr über das spielende Lernen erfahren möchtest, kannst du an seinem Webinar teilnehmen. Außerdem hat er auf seiner Website schon vieles dazu verfasst. Fördern sie ihr Kind im spielenden Lernen, damit es in der Zukunft innovative Ideen hat.

Menschen hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden, sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen. - Oliver Wendell Holmes

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