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Lernen lernen

Wie lernen Kinder effektiv und nachhaltig?

· Basis Lernen

Lernen lernen - Wie lernen Kinder effektiv und nachhaltig?

Das wohl Wichtigste, dass Kinder im Leben lernen sollten ist das Lernen lernen. Wie lernt ein Kind richtig und nachhaltig? Aus der Schule kennen wir nur das Lernen für die Klassenarbeit und das nächste Referat. Das Wort "Nur" beschreibt hier den Prozess, denn wir immer wieder durchlaufen, um einen Inhalt auswendig zu lernen, um eine anschließende Leistung abrufen zu können. Im Laufe der vorbeiziehenden Schuljahre ist es offensichtlich, dass dieser Lernprozess nicht nachhaltig ist, da nur mal eben schnell für den Test gelernt wird.

Es liegt allerdings nicht an den Personen oder deinem Kind, dass dein Kind sich nach der Arbeit den Inhalt nicht mehr merken kann. Nach der Prüfung ist plötzlich so vieles verloren. Außerdem behaupten so viele, dass der gelernte Stoff eines Faches nach der Schule eh nicht gebraucht wird. Darüber werden wir in diesem Artikel aber nicht diskutieren. Wir gehen der Frage nach, wie dein Kind effektiv lernt, um im Laufe seines/ihres Lebens sich selbstbestimmt Wissen anzueignen.

Meiner Meinung nach ist das Lernen lernen neben den Kernkompetenzen und der Basis Lesen, Schreiben und Rechnen das Wichtigste das Kinder lernen sollten. Die Schulen arbeiten hier in diesem Bereich unterschiedlich. Es ist nicht alles schlecht, was wir in Deutschland so machen. Allerdings haben die Schulen so viele Vorgaben den Lernstoff zu behandeln, dass das Wichtigste einfach hintenan steht - Das Lernen lernen!

Wie funktioniert unser Gehirn beim Lernen lernen?

Der gelernte Lernstoff wird im Arbeitszeitgedächtnis eines Schülers gespeichert. Der klassische Lernweg verläuft auf diese Weise: Schnell alles kurz vor der Prüfung lernen, da in den Stunden zuvor einfach zu viel besprochen wurde, so war in der Stunde selbst keine Zeit zum Üben. Den Schülern und Lehrern ist diese Situation unangenehm. Unter Druck werden Inhalte losgelöst von Beispielen auswendig ins Arbeitszeitgedächtnis gelernt.

Ihr könnt euch das Arbeitszeitgedächtnis wie eine Schultafel vorstellen. Die Tafel kann sehr viel Wissen aufnehmen. Doch wenn sie voll ist, muss irgendein Themenbereich entfernt werden. Meistens sind das die Themen, die schon länger in der Zeit zurück liegen. Also das was schon vor Tagen gelernt wurde.

Um diesen Prozess des Löschens zu verhindern, kann Gelerntes in unser Langzeitgedächtnis übertragen werden. Für diese Übertragung lernst du den Stoff über einen längeren Zeitraum. Ihr beschäftigt euch mit diesem Thema intensiver, verknüpft ihn mit anderen verwandten Themen und betrachtet den Lerninhalt aus unterschiedlichen Perspektiven.

Das Langzeitgedächtnis ist eine Art Bibliothek in unserem Kopf. Der Speicherplatz ist sehr groß. Dort werden auch Themenfelder mit anderen Themen verknüpft. Das Arbeitszeitgedächtnis kann auf die gespeicherten Daten zurückgreifen. Je öfter die Pfade und die Lerninhalte genutzt oder angewendet werden, umso schneller sind sie zu finden.

Aber es gehen keine Informationen verloren. Sie werden nur nicht mehr gefunden, wenn sie lange nicht genutzt wurden. Hierzu nenne ich dir das Beispiel „Fahrrad fahren“. Wir müssen nicht jeden Tag Fahrrad fahren, um es zu können. Sondern wir musste zu Beginn, als wir noch unkoordiniert und ungeübt waren, sehr viel dafür üben, damit ein motorisches Programm in unserem Gehirn und den Muskeln gespeichert werden konnte. Dieses Programm ist noch da, auch wenn du schon eine lange Zeit kein Fahrrad gefahren bist. Eventuell bist du etwas ungeschickt zu Beginn, doch nach wenigen Minuten ist es wie immer!

Der fokussierte und diffuse Denkmodus

Unser Gehirn kann zwei Denk Modi nutzen, um zu lernen. Im fokussierten Denkmodus können wir nach Struktur in bekannten Mustern oder mit bekannten Methoden lernen. Wir lernen so Vokabeln oder einen Sachverhalt über ein Thema. Die Gedankenstrukturen sind meist vorgegeben und nicht flexibel nutzbar. Wir fokussieren uns auf einen Themenbereich und lernen. Dieser Denkmodus greift auch auf vergangene Lernmuster und Inhalte zurück.

Der diffuse Denkmodus ist ohne Struktur und sehr viel freier in seinen Gedanken. Hier dürfen neue Ideen entwickelt und kreativ an Lösungen gearbeitet werden. Künstler sind dazu ein sehr gutes Beispiel. Sie nutzen Materialien, die ohne eine Anwendung oder Veränderung kein Kunstwerk ergeben würden. Doch durch die neue Anordnung oder Nutzung von Farben, Stoffen oder Materialien und einem kreativen Denkmodus können ganz neue Werke erschaffen werden.

Die Verbindung zwischen den Denkmodi ist sehr wichtig, denn so können wir komplexe Herausforderungen meistern. Wir schauen nach Erfahrungen und bekannten Mustern und können diese neu zusammensetzten oder in Verbindung bringen. Lernen lernen bedeutet in diesem Zusammenhang zwischen den Denk Modi zu wechseln. Bewusstes einsetzten der unterschiedlichen Denkmuster, lässt uns das Gelernte besser verarbeiten.

Energievampire und Prokrastination verhindern das Lernen lernen

Egal welche Person du dazu befragst, alle kennen es! "Heute nicht, vielleicht morgen" gehört zu unserem alltäglichen Leben. Kindern ergeht es hier nicht anders. Sie haben zum einen so viele Aufgaben, dass sie keinen Überblick mehr haben und zum anderen interessiert sie nicht der Stoff aus der Schule. Das Fach und dessen Anforderungen geht ihnen am .... vorbei!

Prokrastination beschreibt diesen Prozess sehr gut! Wir schieben unliebsame Aufgaben immer weiter vor, bis der Tag X gekommen ist und wir die Aufgabe erledigt haben müssen. Daraus entsteht Stress, da es ja bis morgen fertig sein muss. Zudem lernen wir in diesem Moment nur mit dem Arbeitszeitgedächtnis. Das "Lernen lernen" setzt genau an diesem Punkt an. Wenn Aufgaben auf mehrere Tage oder Wochen aufgeteilt werden, kann das Wissen besser im Langzeitgedächtnis gespeichert werden.

Doch wie überlistet man nun den inneren Schweinehund und die Unlust diese langweiligen Aufgaben zu erledigen?

Eine effektive Lernmethode ist den zu lernenden Inhalt in Portionen aufzuteilen und ihn zeitlich zu strukturieren. Mit Hilfe der Pomodoro Methode wird der Schweinehund überlistet. Denn er denkt sich bei 25 min Arbeitszeit an einem Thema - "das ist ja schnell vorbei". Anschließend erfolgt eine 5-minütige Pause, die nicht am Computer oder den Aufgaben verbracht wird.

Meistens haben wir in den ersten 25 Minuten die Aufgabe noch nicht bewältigt. Deshalb folgt dann eine weitere Pomodoro-Einheit mit 25 Minuten und einer weiteren Pause, die nun länger sein kann. Nach 3 bis 4 Pomodoro-Einheiten ist es wichtig, dass eine längere Pause von ca. 60 Minuten eingeschoben wird. In einer Pause kann etwas getrunken werden oder ihr geht an die frische Luft. Wichtig ist den Arbeitsplatz zu verlassen.

In den 25 Minuten kann dein Kind effektiv und fokussiert seine Aufgaben erledigen. Sollte dein Kind noch in der Grundschule sein, sind 10 Minuten zu Beginn ratsam. Die Konzentration ist in diesem Alter bei sitzenden Tätigkeiten noch nicht so lang. Allerdings ist hier auch jeder Lernende anders. Probiert die Methode doch mal aus!

Gleichzeitig zu dieser Einteilung kann ich To Do Listen empfehlen, die die Aufgaben sichtbar und streichbar macht. So bleibt die Motivation vorhanden. Während der Lernzeit sind alle Ablenkungen entweder ausgeschaltet oder nicht griffbereit. Dazu zählt auch das Handy. Unser Gehirn kann sich nicht auf mehrere Sachen gleichzeitig konzentrieren. Auch wenn es früher hieß, dass Multitasking eine super Sache ist, sollten wir es nicht machen.

Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun.

Hab Geduld meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler und Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen. - Maria Montessori

Learning by doing

Um Gelerntes tatsächlich zu lernen, muss dein Kind den erlernten Stoff nicht nur regelmäßig wiederholen, sondern auch anwenden und erklären. Ohne diesen Lernschritt, können wir Inhalte nicht im vollen Umfang lernen und abspeichern. Dein Kind lernt einen neuen Inhalt, indem er/sie sich die Informationen über das lesen oder hören erschließt. Anschließend wird das Gelernte notiert oder markiert. Durch unterschiedliche Fragen oder Anwendungsaufgaben kommt dein Kind in die Handlung. Wenn dein Kind dir oder einem Klassenkameraden den Inhalt dann noch zusätzlich erklärt, sind viele Lernebenen angesprochen worden.

Eine Sprache sollte somit nicht nur gelesen und geschrieben werden, sondern auch regelmäßig und bestenfalls mit einem "native Speaker" gesprochen werden. So wird das Wissen vom Arbeitszeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis transformiert. Im Gehirn verbinden sich dann die einzelnen Speicherorte der unterschiedlichen Lerninhalte miteinander. So kann dein Kind später eine Sprache fließend sprechen.

Vokabeln allein ermöglichen noch keinen gesprochenen Satz. Erst die Verbindung mit der Grammatik und den Zeiten bringt den Überblick. Deshalb sind auch die Anwendung und Übung so wichtig im Lernprozess.

Überlernen als Notlösung?

Wir Erwachsenen haben es in der eigenen Schulzeit so gemacht und auch unsere Kinder machen es regelmäßig. Sehr viel Lernstoff in kürzester Zeit lernen, um die anstehenden Klassenarbeiten mit ausreichend zu bestehen. Leider führt dies nicht zu dem erwünschten Resultat. So überfordern wir das Arbeitszeitgedächtnis und behalten nichts von dem Wissen. Nur die Inhalte, die schon zuvor gelernt wurden, sind noch abrufbar.

Dies ist mein wichtigster Ratschlag von den vielen Lerntipps, die ich hier nenne. Teilt euch das Thema, dass ihr lernen wollt in Abschnitte ein und lernt jeden Tag ca. 15 bis 20 Minuten. 120 Minuten kurz vor einer Klassenarbeit ist kein effektives lernen. Ihr wollt euch mit dem Lernen lernen beschäftigen und nachhaltig lernen.

Zudem sind Pausen ebenso wichtig wie die Einteilung von Inhalten. Euer Gehirn braucht Pausen, um das Gelernte zu verarbeiten, zu ordnen und zu speichern. Ist dieser Vorgang abgeschlossen, können neue Inhalte aufgenommen und gespeichert werden. Sie werden dann mit dem zuvor gespeicherten Wissen verknüpft. Diese Verbindung festigt das zuvor Erlernte ein weiteres Mal.

Deshalb solltet ihr Lernpause einlegen, die unterschiedlich lang sein können. Manchmal reicht eine Pause über Nacht aus. Gelegentlich braucht es mehrere Tage, um sich weiter damit beschäftigen zu können. Da jeder ein anderer Lerntyp ist und das alles auch von dem Thema abhängt, das gelernt werden muss, solltet ihr das gemeinsam herausfinden.

Fazit

Die genannten Lernstrategien und Lernmethoden kannst du mit deinem Kind ausprobieren. Alles ist ein Prozess - wenn die ein oder anderen Lerntipps noch nicht so gut funktionieren, aber eine kleine Verbesserung auftritt, solltet ihr dranbleiben. Wenn ein Lerntipp aber nicht in eure Lernzeit passt, dann nutzt ihn nicht.

Das Lernen lernen ist eigentlich sehr einfach. Doch jeder von uns verfällt gern dem Schweinehund, welcher gern den faulen und kurzen Weg geht. Doch das Lernen ist ein Prozess und baut sich nach und nach auf.

Einen letzten Lerntipp habe ich noch für euch. Leider ist dieser in der Schule nur schwer zu realisieren. Aber es gibt immer Mittel und Wege, um das Folgende dann doch zu ermöglichen. Lernen mit Spaß ist die beste Möglichkeit um effektiv und nachhaltig zu lernen. Erst wenn wir uns gänzlich für eine Thema interessieren und die Motivation haben mehr darüber zu erfahren, lernen wir von ganz allein.

Lernen ist das natürlichste unserer Natur. Wir sind neugierig und stellen Fragen. Doch Stress, sinnlose Aufgaben und Ablenkungen verhindern diesen natürlichen Drang neues Wissen zu erwerben. Deshalb ist es wichtig, dass auch ihr als Eltern ein Vorbild bleibt und das Lernen gern tut. Wir hören niemals auf zu lernen.

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